Rückblick zum 09.03.2013

Einleiten wollen wir den Artikel mit einem Zitat aus der Nachbetrachtung der Nazis, welches sich zwischen einiger Selbstverherrlichung versteckte: „Nach den Demonstrationen im Februar 2011 wenige Tage nach der schrecklichen Tat des Kayahan B., im Februar 2012 nach dem erstinstanzlichen Urteil und nun im März 2013 nach der Bestätigung des Skandal-Urteils hat die Demonstrations-Serie in Soest nun ihr vorläufiges Ende gefunden.“

Daher ist womöglich, zumindest bis zur Entlassung von Kayahan B., kein weiterer Naziaufmarsch in Soest zu erwarten.

Zum Tag des Aufmarsches

Grundsätzlich sind wir mit der Mobilisierung für den Tag zufrieden, die ganze Stadt war voll mit DemonstrantInnen gegen die Nazis. An der Demonstration von dem Ratsbündnis „Bunt statt Braun“ nahmen 350 Leute teil, an der Kundgebung am Petrikirichplatz 50+. Zudem sorgten viele Bürger und 200+ AntifaschistInnen an der Route und in der übrigen Stadt für Protest.

Das Bündnis „Bunt statt Braun“

Wenig überrascht sind wir von den rückläufigen Zahlen des Bündnisses „Bunt statt Braun“. Wie in den Vorjahren setzte man sich im Rahmen von Pressearbeit oder ähnlichem nicht großartig mit der Thematik selbst auseinander, sondern beschränkte sich auf ein ewiges „Bunt statt Braun“. Notwendig wären eindeutige Statements gewesen z.B. dass man mit dem Opfer trauert und die Nazis gerade nicht für ein Opfer eines Gewaltverbrechen einstehen, sondern dieses instrumentalisieren um ihre Wahnvorstellung vom „Aussterben der deutschen Rasse“ zu verbreiten. Grade die guten Kontakte zu der Presse, hätten hier genutzt werden können um Menschen zu erreichen, welche regelmäßig nicht von selbst auf die Idee kommen zu demonstrieren.

Die längere Demonstration und die Kundgebungen mit durchaus interessanten Rednern waren aber besser, als die Veranstaltungen der letzten Jahre.

Ferner halten wir aber auch die Gesamtzusammenstellung dieses Bündnisses nicht für Vorteilhaft. DemonstrantInnen gegen Nazis unter einem Bündnis mit CDU und FDP zu sammeln ist beinahe witzlos. Die CDU & FDP haben mit ihrem Modell des politischen Extremismus (Es gibt eine gute Mitte und Links- und Rechtsextreme, welche gleich böse sind s.a. inex.blogsport.de insb. 3. Absatz) auch kaum Interesse an der Teilnahme. Besonders viele MitgliederInnen und AnhängerInnen dieser Parteien waren auch nicht auf der Kundgebung anwesend. Letztes Jahr hat die Junge Union Soest angeblich sogar spontan eine Brauereibesichtigung auf den Termin des Naziaufmarsches gelegt um nicht demonstrieren zu müssen.

Des Weiteren ist es das gute Recht der DemonstrantInnen und notwendig, in Hör- und Sichtweite Protest auszuüben. Wenn dies nicht passiert, stärken die Aufmärsche das Selbstbewusstsein der Nazis und ihren Gruppenzusammenhalt. Was dann auch, wie Soest und andere zahlreiche Beispiele zeigen, zu erneuten Aufmärschen führt. Anschaulich dazu einige Facebook-Kommentare der Nazis:

Kommentar 1:

Kommentar 2:

Kommentar 3:

Die Wahnvorstellungen, verursacht durch die durchgängige Propaganda und der Mär von angeblich falschen Systemmedien, der Nazis können nur gebrochen werden indem man ihnen den Protest vor die Nase hält!

Kundgebung am Petrikirchplatz

Die Kundgebung am Petrikirchplatz sorgte mit lauter elektronischer Musik und jungem Publikum für gute Laune unter den GegendemonstrantInnen. Die Musik schallte auch zum Potsdamer Platz rüber, sodass eine Gedenkminute und verständliche Redebeiträge der Nazis beinah unmöglich gemacht wurden. Leider waren die Teilnehmerzahlen nicht allzu hoch, auch hier sollte im Vorfeld stärker mit der Presse gearbeitet werden.

Ungebundener Protest

Der antifaschistische Protest, der sich nicht an Kundgebungen gebunden hat, war aktiv in der ganzen Stadt. Während einerseits auf kreativen Protest in Form zahlreicher Transparente, Schilder und Aktionen gesetzt wurde, gab es andererseits spontane und sehr friedliche Blockaden.

Am Bahnhof und am Potsdamer Platz übertonten große Gruppen an DemonstrantInnen die Nazis, am Grandweg gab es dann zwei Blockaden, diese wurden allerdings nach kurzer Zeit geräumt.

Es waren aus dem überregionalen Bereich mehr AntifaschistInnen in Soest als die letzten Jahre, es gab allerdings einige überschneidende Events z.B. eine feministische Demonstration in Münster und Proteste gegen die Rassisten von „proNRW“ in Essen.

Im Nachhinein wurden die Proteste von AntifaschistInnen, nach einer Pressemitteilung der Polizei, welche diese ausblendete, auch in der Presse kaum erwähnt. Allerdings bezeichnete die Polizei, dieses Jahr die Blockaden als „demokratisches Mittel“. Damit fällt sie anscheinend ein anderes Urteil als die Jahre zuvor, wo allein die Blockadeaufrufe zutiefst kriminalisiert wurden.

Die Nazidemo

Die Nazidemo hat an TeilnehmerInnen verloren. Insbesondere nahmen wieder nur eine Handvoll Soester teil. Dies waren auch großteils nicht dieselben wie in den Vorjahren, welche mittlerweile überwiegend keine aktiven Mitglieder von Naziorganisationen mehr sind. Der groß angekündigte „Freie Aktivist aus Soest“, kam in Wirklichkeit aus Paderborn und wohnt seit vielen Jahren nicht mehr in Soest.

Dafür war die gesamte Riege der „Partei“ „die Rechte“ anwesend, welche von Personen, Einstellungen und Gewaltpotenzial identisch ist mit den in NRW verbotenen Kameradschaften.

Über die Berichterstattungen zu dem Tag lässt sich sagen, dass Christian Worch im vorhinein im Soester Anzeiger als „schillernd“ bezeichnet wurde. Inwiefern Christian Worch schillernd ist, entzieht sich allerdings unserer Vorstellungskraft. Schon der Einleitungssatz des Wikipedia-Artikels spricht andere Bände: „Christian Worch (* 14. März 1956[1]) ist einer der führenden Köpfe und Multifunktionär der militanten Neonazi-Szene in Deutschland.“ Insgesamt hat das Interesse an dem Naziaufmarsch auch abgenommen, der O-ton der Stadt lautete „Ach, diese Deppen schon wieder!“.

Die nachträglichen Berichterstattungen waren in der gedruckten Ausgabe am Montag weitaus besser und differenzierter als in diesem bereits am Tag des Aufmarsches veröffentlichten Onlineartikels.

Es muss mit aller Deutlichkeit gesagt werden: Diese Gruppierung ist keine Partei! Diese Gruppierung besteht aus gewalttätigen Neonazis, welche bereits verbotenen Organisationen angehörten. Dies sind Nazis, welchen die NPD zu lasch ist und die das parlamentarische System ablehnen. Der Deckmantel einer Partei wurde nur gewählt um einem Verbot als Ersatzorganisation zu entgehen! (s.a.Antifa Reader)

Kommentar:

Siehe auch: Bericht von nrwrex über Parolen etc. unter anderem „Damals wie heute – Hitlerleute“

Bilanz

Abschließend lässt sich sagen, dass der Gegenprotest am 9.3.2013 akzeptabel war und auch die Mobilisierung recht gut verlief, dennoch sollte das Konzept für einen potentiellen Aufmarsch 2014 oder danach noch einmal überdacht werden. Leider konnten wir dieses Jahr, auf Grund der kürze der Zeit, keinen EA und kein Infotelefon bieten, dies war nicht optimal. Glücklicherweise gab es allerdings dieses Jahr keine Festnahmen auf unserer Seite.

Insbesondere muss der Protest in der Nähe der Nazis stärker werden! Es gilt in der Folgezeit Entwicklungen von „Die Rechte“ und den Nazis aus der Region weiterhin zu beobachten um feste Strukturen zu verhindern.

Wir bedanken uns bei allen Menschen, welche sich die Mühe gemacht haben auf die Straße zu gehen um Rassismus und völkischer Ideologie entgegenzutreten!

Fotos vom Naziaufmarsch findet ihr hier.