Archiv für Februar 2012

Am Rande

Da sich am Tag der Demonstration viele junge und engagierte Soester gezeigt haben, hier ein Hinweis:
Regelmäßige Arbeit gegen Rechtsextremismus ist wichtig und notwendig. Effektiv funktioniert dies nur organisiert. Zur Zeit sucht die Jugend-Antifa Soest noch neue Mitglieder. Mehr Informationen: hier.

Erster Rückblick

Am Samstag, den 11. Februar 2012, marschierten etwa 90 Neonazis (Polizei: 150) in Soest auf. Wie bereits im letzten Jahr nahmen sie den gewaltsamen Tod eines Jugendlichen vom Möhnesee zum Anlass, gegen Migrant_innen zu hetzen.

Der Aufmarsch

Zu dem von Sascha Krolzig angemeldeten Aufmarsch erschienen hauptsächlich Neonazis von ausserhalb Soests. Die Teilnehmer reisten aus umliegenden Städten an, so etwa aus Unna, Hamm und Dortmund. Anwesend waren aber auch rechte Aktivisten aus dem Rheinland und dem westlichen Ruhrgebiet. Die „Freie Kameradschaft Soest“, eine Gruppe Neonazis die sich im Anschluss an den letztjährigen Naziaufmarsch gegründet hatte, war trotz der vollmundigen Ankündigung, es würde „heiß werden in Soest und Umgebung“, nicht vertreten.

Auf einer Route über die Wallstraße und durch die soester Altstadt zog der Aufmarsch zum Potsdamer Platz, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Wie schon im letzten Jahr nutzten die Neonazis ihre angebliche Gedenkdemo vor allem für Gewaltaufrufe und Hassbekundungen gegen Migrant_innen und politische Gegner. In Parolen riefen sie zur Vertreibung von vermeintlich nichtdeutschen Menschen und zur Erschiessung politischer Gegner auf.

Gegenaktivitäten

Etwa 500 Menschen waren auf der Straße um gegen den Naziaufmarsch zu protestieren. Schon bei ihrer Ankunft wurden die Neonazis von bis zu 120 Menschen empfangen, die während des gesamten Aufmarsches dafür sorgten, das von den Reden der rechten Hetzer nichts zu verstehen war. Entlang der Route und in anliegenden Geschäften hingen viele Plakate und Transparente gegen den Neonaziaufmarsch. Am Marienkrankenhaus versuchte eine Gruppe Antifaschist_innen den Aufmarschweg zu blockieren, wurde allerdings von der Polizei abgedrängt.

In der Innenstadt nahmen etwa 250 Menschen an mehreren Kundgebungen Teil, zu denen die Fraktionen des Soester Stadtrats aufgerufen hatten. Leider ohne konkrete Auswirkungen auf den Naziaufmarsch verfolgten die Teilnehmer_innen Reden am Vreithof und zogen daraufhin zum Marktplatz, wo weitere Reden gehalten wurden. Untermalt wurde das Programm von
musikalischen Darbietungen und Infoständen von Parteien und Initiativen.

Polizei aus ganz NRW

Die Polizei sicherte den Nazis mit Einheiten aus ganz NRW die Möglichkeit, durch die Soester Innenstadt zu marschieren. Mehrere Hundertschaften sperrten die umliegenden Straßenzüge ab, Zivilpolizisten und ein Helikopter waren ebenfalls im Einsatz. Am Marienkrankenhaus setzten Bereitschaftspolizisten Knüppel gegen eine Gruppe Jugendlicher ein, nachdem diese bereits ihre Blockade aufgelöst hatten.

Ein kritischer Rückblick auf unsere eigene Organisation und die Veranstaltungen des Stadtrats folgen.
Vielen Dank an alle Demonstranten die trotz der eisigen Temperaturen auf die Straße gegangen sind!





Umfangreiche Fotosammlung vom Naziaufmarsch unter:
Imgur (1,2)

Presse

Heute berichtet der Soester Anzeiger in zwei großen Artikeln über die Demonstration in Soest. Die Artikel mit der Überschrift „Vater des „Anno“-Opfers distanziert sich von Neonazis“ und „Soest hat „keine aktive rechte Szene„“, welcher unter anderem die Jugend-Antifa Soest zitiert findet ihr hier.

In der gedruckten Ausgabe wird die Familie des Opfers zudem wie folgt zitiert: „Als Eltern distanzieren wir uns von politischer Instrumentalisierung und der Demonstration von Rechts; die Nationalität des Täters hat bei der Bewertung der Tat keine Bedeutung“.

Infostruktur am Samstag

Damit ihr den Überblick über das Geschehen behalten könnt, wird es einen Ticker für neuere Mobiltelefone/Smartphones über Internet via Twitter und einen Ticker für ältere Mobiltelefone über WAP geben. Diese leiten euch am Samstag immer die neusten Informationen zu. Wir empfehlen euch bei einer Person aus eurer Gruppe diese einzurichten.
Twitter: Antifa_Soest
WAP: http://ticker.nadir.org/ (Anleitung zum Einrichten eines WAP Ticker)

Zudem wird es auch dieses Jahr einen Ermittlungsauschuss geben.
Wir hoffen zwar, dass Niemand in Konflikt mit der Polizei gerät, sollte dies doch der Fall sein unterstützt der EA euch.
Notiert euch die Nummer und ruft diese an, falls ihr oder eure Freunde festgenommen werden oder ihr mit einer Anzeige konfrontiert seit. Vergesst nicht euch wieder abzumelden sobald ihr frei seid.
(siehe auch: ea-mannheim basics)

Die Telefonnummer für den EA lautet: 01578 1827310

Wir möchten nochmal darauf hinweisen, dass wir keine eigene Kundgebung angemeldet haben.
Wir rufen alle DemonstrationsteilnehmerInnen zu friedlichen Protesten mit demokratischen Mitteln auf. Demonstriert mit uns in Sichtweite der Nazis vor dem Bahnhof und an der Route der Nazis!
Besucht zudem die vom Stadtrat angemeldeten Kundgebungen (Markt, Vreithof, Saturn-Vorplatz) ab 12 Uhr.

Aktionskarte

Die Karte mit den wichtigsten Punkten am Samstag in Farbe und mit höherer Auflösung:

Achtet auf Ankündigungen am Freitag bezüglich Ticker, Infonummern & EA!
Die angemeldeten Kundgebungen (Markt, Vreithof, Saturn-Vorplatz) beginnen um 12 Uhr. Demonstriert mit uns in Sichtweite der Nazis vor dem Bahnhof und an der Route!
Seit vor 12 Uhr in Soest, wenn ihr mit dem Zug anreist und nicht mit Nazis zusammentreffen wollt!

Update: Aktionskarte

Hier eine vorläufige Karte mit der wahrscheinlichsten Naziroute und den angemeldeten Kundgebungen. Infos zum Ticker und ähnliche Infos folgen die Tage.

Update: Der Soester Anzeiger berichtet heute über die Route. Der Rückweg erfolgt über die Osthofenstraße und die Walburger-Osthofen-Wallstraße zurück zum Bahnhof. Die Zwischenkundgebung der Nazis am Potsdamer Platz wird 45 Minuten dauern.

Die Kundgebungen am Vreithof, Marktplatz und in der Brüderstraße vor Saturn beginnen jeweils um 12 Uhr.
Wer mit dem Zug anreist sollte vor 12 Uhr in Soest sein, da um diese Zeit die Nazis vermutlich geschlossen aus Hamm anreisen und zunächst eine Auftaktkundgebung am Bahnhof abhalten. Bleibt in Sichtweite der Nazis, zeigt ihnen den Protest!

sonstige Termine


09.03.13 Nazis in Soest den Tag versauen

16.03.13 Naziaufmarsch von „Die Rechte“ in Düsseldorf

18.03.13 PRO NRW in Wickede Contra geben

30.03.13 Demo für die Opfer rechter Gewalt in Dortmund

13.04.13 Demo anlässlich des NSU-Prozesses in München

01.05.13 Naziaufmarsch in Dortmund

31.05.13 Blockupy Frankfurt

20.07.13 Naziaufmarsch in Hamm

Flyer

Solltet ihr Flyer benötigen, könnt ihr diese bei uns nach Absprache per Mail abholen oder ihr druckt sie einfach selbst aus:
Die Flyer (Druck in Din A5) im .pdf-Format finder ihr: hier

Aktuelle Informationen

+++Der Naziaufmarsch beginnt um 12:30+++
+++Die Neonazis treffen sich um 12:00 am Hauptbahnhof in Soest+++
+++Organisiert wird der Aufmarsch von der Kameradschaft Hamm+++
+++Angemeldet ist die Demonstration für 150 Menschen+++

Naziaufmarsch in Soest am 11.02.2012

Nach der Urteilsverkündung im Prozess um den Messerstich im Anno vor einem Jahr, haben Neonazis aus dem Ruhrgebiet zum zweiten Mal in Folge einen Aufmarsch in Soest angemeldet. Sie versuchen durch die Instrumentalisierung des Todes von Tim K. ihre rassistische Propaganda, getarnt durch das Herbeihalluzinieren eines „Volkstodes“ und die Angst vor steigender Ausländerkriminalität, in die Mitte der Bevölkerung zu tragen.

2011- Blockadeversuch und Störungen

Der Versuch den Aufmarsch zu blockieren ist 2011 durch die massive Präsenz der Polizei, die mit mehreren Hundertschaften aus ganz NRW, Hundestaffeln und einem Hubschrauber zugegen war, gescheitert. Die Strecke wurde hermetisch abgeriegelt und GegendemonstrantInnen wurden mit Pfefferspray, Knüppeleinsatz und Innenstadtverboten konfrontiert. Ferner versuchte die Stadt alles mögliche um GegendemonstrantInnen aus der Innenstadt zu halten und organisierte eine bürgerliche Protestveranstaltung außerhalb der Innenstadt. Dennoch gelang es einigen an der Wiesenkirche die Route zu blockieren, was den Ablauf des Aufmarsches störte. Auch während der Kundgebung am Potsdamer Platz, sowie später am Bahnhof, konnte gerade akustisch ein deutliches Zeichen gesetzt werden.

Die „Freie Kameradschaft Soest“

Wie vorab schon vermutet, hatte der Aufmarsch vom letzten Jahr einen faden Beigeschmack, denn unmittelbar nach dem Aufmarsch gründete sich die „FKS“ – „Freie Kameradschaft Soest“, die sich über ihre Webpräsenz auch gerne als „Nationale Sozialisten“, in Verbindung mit dem Zusatz „damals wie heute“, bezeichnen.
Die Absicht war klar: Nach der Demo sollte sich endlich wieder eine Neonazigruppe in Soest etablieren, wo es doch so lange ruhig um die „Ewiggestrigen“ in Soest war. Die Durchführung war allerdings mehr als lächerlich, denn außer der schlechten Internetseite und dem Kleben von erbärmlichen Stickern, blieben die angekündigten Aktivitäten aus. Mittlerweile wird auch die Internetseite schon seit vielen Monaten nicht mehr aktualisiert, aber die Mitglieder stehen noch in einer Cliquen-artigen Verbindung und treffen sich unregelmäßig zum Zwecke des gemeinsamen Alkoholkonsums und ziehen gelegentlich unter nationalem Gegröle durch die Gassen von Soest.

Stolberg- ein Beispiel aus NRW

Was in Soest bisher nicht geklappt hat, ist in Stolberg (bei Aachen) mittlerweile an der Tagesordnung: Jährlich marschieren dort mehrere hundert Neonazis im April durch die Kleinstadt, um einen Trauermarsch in Bezug auf einen ähnlichen Fall zu zelebrieren.
Spätestens seit dem Beginn dieser Trauermärsche ist Stolberg zu einer der Hochburgen des Rechtsextremismus in NRW geworden. Die Gefahr, dass Neonazis auch in Soest wieder Fuß fassen und einen Aufmarsch, mit einem dem Stolberger ähnelnden Muster, etablieren wollen, ist nicht zu unterschätzen.
Mehrere Beispiele (u.a. auch Dresden) haben gezeigt, dass nur das Verhindern eines solchen Aufmarsches, mit Hilfe von Blockaden, ein effektives Mittel ist, um einer Etablierung eines Aufmarsches im braunen Jahreskalender entgegenzuwirken.

2012- es wird Zeit, dass wir was tun!

Unser Ziel ist es, den Aufmarsch 2012 zu verhindern und das unter Zuhilfenahme von friedlichen Blockaden. Die Affäre um die NSU und den Thüringer Verfassungsschutz hat gezeigt, wie aktuell die Problematik des Rechtsextremismus ist und wie wichtig antifaschistisches Engagement auf allen Ebenen ist. Die einzige bleibende Perspektive ist offensiv gegen die Umtriebe der Neonazis vorzugehen und ihnen entschieden entgegenzutreten.

Gemeinsam am 11.02.2012 den Naziaufmarsch in Soest verhindern!
Kein Fußbreit den Faschisten!

*Alle Begriffe insb. „Verhindern“ sind im Rahmen von demokratisch legitimen Mitteln zu verstehen.